Ingo Heitzer sitzt lächelnd am Tisch vor einem Fenster mit Blick auf den Rhein.
IngoEcht. Bewegend. Wahr.Eintauchen

Meine Geschichte.

Von Verlust.Vom Weitergehen.Und von dem,was bleibt.

Meine Geschichte über Selbstwert, Sucht und den Weg in ein anderes Leben.

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aus dem Buch

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Meine Worte. Mein Leben.

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Ingos Stimme

Eine Umarmung und ein Kuss.Eine persönliche Lesung mit Musik · 1:54

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Lies mein Manuskript.
Sag mir, was bleibt.

Zur Leseprobe: Sie enthält Schilderungen einer Psychose, von Gewalt und sexualisierten Übergriffen in der Kindheit.

Vielleicht kennst du das ...

Du funktionierst, obwohl innerlich längst etwas nicht mehr funktioniert.

Du hast jemanden verloren und merkst Jahre später, was dieser Verlust mit dir gemacht hat.

Du kennst das Gefühl, dass ein Leben anders verlaufen ist, als du es dir vorgestellt hattest.

Und trotzdem bist du noch da.

Diese Geschichte ist für Menschen, die wissen,
dass Weitergehen nicht dasselbe ist wie Vergessen.

Meine Bücher & Buchprojekte

Die Geschichte
geht weiter.

Ein Manuskript. Neue Gedanken.
Und Raum für das, was noch kommt.

Coverentwurf

Mein erstes Buch

Lieb sein konnte ich.

Vom Wunsch, dazuzugehören, über die Sucht bis in ein anderes Leben. Und zu einem Dilemma: Nach vielen Jahren der Abstinenz brauche ich aus gesundheitlichen Gründen wieder das Medikament, von dem ich einst abhängig war.

Vorläufiger Coverentwurf

In Planung

Coming soon

Hier entsteht Platz für das nächste Buchprojekt. Mehr darüber, wenn es so weit ist.

Cover & Arbeitstitel · Entwurf

Eine Idee wächst

Gedanken für unterwegs

Eine kleine Lektüre zum Mitnehmen. Gedanken, die während des Schreibens an meiner Geschichte entstanden sind.

Die Cover sind Gestaltungsentwürfe. Die weiteren Buchprojekte sind in Planung; Erscheinungstermine stehen noch nicht fest.

In Kontakt bleiben.

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Hoffnung

Hoffnung · Ein Ausschnitt aus meinem Buch

Noch einmal ehrlich.

Während meiner Therapie in Daun.

In den letzten vier Wochen der Therapie sollte ich meinen Abschlussbericht schreiben. Ein Erprobungswochenende lag schon einige Wochen hinter mir. Ich glaube, die Vorgabe waren fünf oder sieben Seiten.

Mein erster Versuch ging daneben. Ich blieb an der Oberfläche. Keine Emotionen. Einfach schreiben, vor der Gruppe und dem Therapeuten vortragen und hoffen, dass alle applaudierten.

Stattdessen bekam ich Kritik. Von allen. Ich war in meinem Bericht nicht ehrlich zu mir selbst gewesen. So wie am Anfang, als ich noch meine Maske trug.

Ich musste ihn neu schreiben.

Ingo Heitzer · Kapitel 7 · Die Maske

Ingo Heitzer · Leseprobe

Die elfte Nacht.
Und wie alles begann.

Inhaltshinweis: Psychose, Gewalt und sexualisierte Übergriffe in der Kindheit.

Prolog Die elfte Nacht

Mein Freund Christian und ich lagen auf zwei Matratzen auf dem Boden meines Zimmers. Gegenüber, auf derselben Etage, war die Wohnung meiner Mutter. Durch das Fenster sah ich den nachtschwarzen Himmel und ein paar vorbeiziehende Wolken. Er schlief. Ich dämmerte, ohne richtig einzuschlafen.

Es war die elfte Nacht, in der ich nicht geschlafen hatte.

Im Hintergrund hörte ich eine Stimme, als käme sie aus einem Lautsprecher. Ich erkannte einen Moderator und hörte ihm zu. Wie lange, weiß ich nicht. Vielleicht ein paar Minuten, vielleicht viel länger. Dann erzählte er einen Witz. Ich lachte laut.

Mein Freund sagte, ich solle schlafen. Ich fragte ihn, ob er dem Moderator nicht zugehört hätte. Er verneinte.

Da begriff ich, dass etwas mit mir nicht stimmte. Die Stimme war für mich klar und deutlich gewesen. Für ihn hatte sie nicht existiert.

Ich nickte noch einmal kurz ein. Als ich wieder wach wurde, ahnte ich, dass ich die Kontrolle über das verlor, was in mir vorging. Leise stand ich auf, zog mir eine Jogginghose und ein T-Shirt an und ging zu der Wohnungstür meiner Mutter. Sie war nur wenige Schritte entfernt.

Als sie öffnete, sagte ich: „Ich glaube, ich brauche ärztliche Hilfe.“

„Leg dich erst mal im Wohnzimmer auf die Couch.“

Ich ging durch den Flur und legte mich auf ihre große rote Couch. Meine Mutter ließ Licht an und stellte einen Sessel neben mich. Ich kannte jede Ecke dieses Wohnzimmers. Hier hatte ich viel Zeit mit ihr verbracht. Für einen Moment war ich an einem Ort, an dem ich mich geschützt fühlte.

Dann begannen die Bilder.

Ein altes, dunkles Gemäuer. Große Steine, ein Untersuchungstisch. Die Bilder waren schwarzweiß und lebten trotzdem. Auf dem Tisch bewegten sich feine Stränge, die sich miteinander verbanden. Ich öffnete die Augen. Meine Mutter saß neben mir. Ich schloss sie wieder und war zurück in diesem anderen Raum.

Zu den Strängen kamen Fasern, Gewebe, Muskeln. Die Räume veränderten sich, schienen in der Zeit näher zu rücken. Menschen standen um den Tisch und arbeiteten an dem, was dort entstand. Ich sah es von oben und spürte, dass es mit mir zu tun hatte.

Schließlich wusste ich: Der Mensch, der dort zusammengesetzt wurde, war ich. Nervenbahnen, Blutgefäße, Muskeln und Knochen. Ich sah mich entstehen und konnte nicht mehr unterscheiden, welche Wirklichkeit galt: das Wohnzimmer meiner Mutter oder dieser Tisch. Ich wurde unruhig und stöhnte. Sie sah meine Unruhe, aber nicht meine Bilder.

Auch heute beschreibe ich das nicht gerne. Jahrzehntelang war ich froh gewesen, mich nicht an diese Bilder erinnern zu müssen.

Als ich wieder in das Wohnzimmer blickte, war es hell. Ich hörte meine Mutter telefonieren. Später sagte sie mir, dass unser Hausarzt einen Krankenwagen empfohlen hatte. Ich konnte ihr zuhören, verstand, dass ich Hilfe brauchte, und stimmte zu.

Ich war ungefähr fünfundzwanzig und hatte elf Tage lang Amphetamine und andere Substanzen genommen. In dieser Nacht war ich an einem Punkt angekommen, von dem aus ich so nicht weiterleben konnte.

1 Lieb sein

Ich wurde 1970 in Münster geboren. Mit drei Jahren zog ich mit meinen Eltern Helmut und Ulla und meinem Bruder Udo nach Köln. Udo war zehn Jahre älter als ich. In Bickendorf lebten wir in einer Siedlung am Westend. Meine Eltern betrieben eine Kneipe in der Nähe des Westfriedhofs.

Von meinem leiblichen Vater habe ich keine deutlichen eigenen Erinnerungen. Das meiste, was ich über ihn weiß, erzählte mir meine Mutter. Sie sagte, dass er Probleme mit Alkohol gehabt habe. Später war er in meinem Leben nicht mehr präsent.

Meine Mutter erzählte mir von einem Versprechen, das Helmut mir als kleinem Kind gegeben hatte. Gegenüber von unserer Kneipe lag der Westfriedhof. Dort wollte er mit mir Kastanien sammeln gehen. Nach ihrer Erzählung tat er es nie. Ich soll darüber sehr gekränkt gewesen sein. Ich habe davon kein eigenes klares Bild. Ich kann nicht sagen, wie ich auf ihn gewartet habe oder was ich danach getan habe. Es ist eine Geschichte, die meine Mutter mir über meine früheste Kindheit mitgegeben hat.

Der Kindergarten lag nur ein paar Minuten entfernt. Ich ging gerne dorthin und mochte meine Erzieherin. Für mich war das ein geschützter Ort, fast ein zweites Zuhause. Draußen zwischen anderen Kindern fühlte ich mich weniger sicher. Ich brauchte Menschen, bei denen ich wusste, woran ich war.

Ich war schüchtern, zart und sensibel. Bei Freunden und Mitschülern war ich beliebt. Ein Außenseiter war ich nicht, auch wenn ich mit den typischen Jungenspielen wie Fußball wenig anfangen konnte. Früh merkte ich, dass mich Jungen mehr interessierten als Mädchen. Ich war künstlerisch, feinfühlig und kreativ. Dafür schätzten mich viele.

Martin war für mich der richtige Vater. Die Zeit mit ihm in der Kölner Innenstadt war friedlich und tat mir gut. Wir lebten in einem Mehrfamilienhaus. Er war selbstständig und hatte im Keller eine Kegelbahn, die verschiedene Vereine nutzten. Er hatte auch eine Tochter mit in die Beziehung gebracht. Mein Bruder Udo zog aus, als er achtzehn war. Einen Vater hätte ich gebraucht. Aber auch Martin arbeitete Nacht für Nacht auf seiner Kegelbahn. Einen Vater nur für mich, der einfach da war, hatte ich auch mit ihm nicht.

Bei meiner Mutter Ulla war es liebevoll, solange ich mich nicht auflehnte und keine Widerworte gab. Lieb sein konnte ich. Das bedeutete, mich anzupassen, meine Gefühle zu unterdrücken und mich so zu verhalten, dass man mich vorzeigen konnte. Ich lernte, mich unterzuordnen.

Wütend zu sein war mir von frühester Kindheit an untersagt. Meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen fällt mir noch heute oft schwer. Auch die Unsicherheit gegenüber Autoritätspersonen ist geblieben, gegenüber Menschen, die mir mächtiger erscheinen als ich selbst.

Walter und Andreas

Meine Mutter trennte sich von Martin. Mit Walter zogen wir nach Köln-Zollstock. Nach dem, was sie mir erzählte, hatte er sich beim Kennenlernen als finanziell gut abgesichert dargestellt. Er war selbstständig. Mit ihm sollten wir uns keine Sorgen mehr machen müssen. Anfangs gab er sich mir gegenüber als umsorgender Vater, der mein Vertrauen gewinnen wollte. Für mich wurde er keiner.

Das war keine schöne Zeit für mich.

Meine Mutter sagte mir, mein Hund Moritz sei wohl weggelaufen. Von Walter kam dazu nichts. Ich war sehr traurig. Sein Schweigen ließ mich vermuten, dass er seine Finger im Spiel hatte und man mir den Hund abgenommen hatte. Ich glaubte nicht, dass es um die Kosten für Futter ging. Vielleicht hatte ich zu viel Zeit mit Moritz verbracht. Aber weshalb er wirklich weg war, weiß ich nicht.

Mit Moritz war ich viel unterwegs gewesen. Ich brachte ihm Kommandos bei und lief mit ihm kilometerweit. Von zu Hause wegzukommen und meinen Hund zu trainieren gehörte für mich zusammen. Das Laufen war auch mein eigener Sport. Ich wollte bei den Stadtmeisterschaften vorne dabei sein. Mit ungefähr sechzehn wurde ich über zehn Kilometer Zweiter.

Ich wollte meine Mutter nicht mit ihm teilen. Zugleich war ich ständig darauf bedacht, ihm alles recht zu machen, damit er geschmeidig blieb und mich wertschätzte. Eine saubere Wohnung, Leistung in der Schule: Meine Mutter und ich standen unter dem Druck, seine Erwartungen zu erfüllen. Die beiden stritten immer wieder.

Ich erinnere mich an das Geräusch des Garagentors. Wenn ich hörte, dass es aufging, nahm ich einen Putzlappen und begann, in der Wohnung irgendetwas sauber zu machen. Was genau, weiß ich nicht mehr. Es musste nur nach einer nützlichen Tätigkeit aussehen. Walter sollte sehen, dass ich etwas tat.

Ich hoffte auf Anerkennung. Vielleicht würde er dann ruhiger bleiben. Liebe von ihm zu bekommen schien mir längst unmöglich; zwischen uns lag eine Feindschaft, die nicht immer ausgesprochen werden musste. Aber wenn er wenigstens nichts an mir auszusetzen hätte, wäre schon etwas gewonnen. Dafür reichte es nicht, dass die Wohnung sauber war. Ich wollte in dem Moment, in dem er kam, mit dem Lappen in der Hand beschäftigt sein.

Ich wartete nicht erst ab, wie seine Stimmung war. Lieber vorher tätig werden. Was wie Mithilfe aussehen konnte, hatte mit meiner Angst zu tun.

Geschlagen wurde ich nie. Trotzdem fühlte ich mich bei dem Gedanken, ihm meine Meinung zu sagen und dabei zu bleiben, existenziell bedroht. Ich konnte mir nicht vorstellen, seiner Wucht standzuhalten. Also versteckte ich mich hinter dem Liebsein. Ich wusste, wie man nach außen angepasst wirkte. Wie man sich selbst vertrat, lernte ich dadurch nicht.

Wenn er laut wurde, hielten meine Mutter und ich zusammen. Wir waren ein Bollwerk gegen seine Ausbrüche. Ich denke, dass sie mich oft verteidigte, aber selten vor meinen Augen. Ich hatte keine Angst, dass sie mich verlassen oder sich für ihn statt für mich entscheiden würde.

Meine Mutter musste wegen eines Tennisarms operiert werden und dafür ins Krankenhaus. Eine Woche würde ich mit Walter allein zu Hause sein. Davor hatte ich große Angst. In Mathematik war ich immer schlecht gewesen. Auf meinem Zeugnis stand, glaube ich, eine Fünf. Walter war selbstständiger Handelsvertreter und konnte gut rechnen.

Er erwartete, dass wir jeden Abend am Küchentisch zusammensaßen. Er gab mir eine Aufgabe, die ich lösen musste. Das hatten wir nicht miteinander vereinbart. Ich hätte mich nicht getraut, mich zu widersetzen.

An einem Abend gab er mir eine Aufgabe und sagte, er gehe jetzt mit dem Hund spazieren. Wenn er zurückkomme, müsse ich sie gelöst haben.

Ich weiß heute nicht mehr, ob ich die Aufgabe lösen konnte. Auch nicht, was passierte, als er wiederkam. Aber die Angst, seine Erwartungen nicht erfüllen zu können, ist noch immer da, wenn ich daran denke.

Jeden Abend mit ihm an diesem Küchentisch zu sitzen und diesen Druck auszuhalten, war viel schlimmer als der Mathematikunterricht in der Schule.

Ich telefonierte mit meiner Mutter und sagte ihr, dass ich Angst hatte und es mir nicht gut ging. Aber sie war im Krankenhaus und konnte in diesen Tagen nichts ändern. Ich musste es mit ihm allein aushalten. Meine Note verbesserte sich, glaube ich, um eine Stufe. Der Druck blieb schrecklich.

Im Urlaub in Griechenland ging ich mit Walter ins Meer. Er drückte mich unter Wasser, bis ich kaum noch Luft bekam. Ich dachte, er wollte mich umbringen. Als er mich losließ und ich wieder auftauchte, legte ich beide Hände um seinen Hals, um mich festzuhalten. Als wäre ich meinem Beschützer dankbar.

Zu Hause ließ er mir häufiger eine Badewanne ein. Das Wasser war so heiß, dass ich nur langsam hineinkonnte und kämpfen musste, um darin zu bleiben.

Einmal kam ich von der Schule ins Wohnzimmer. Meine Mutter und Walter saßen auf dem Sofa. Ich stand hinter ihnen und sah blaue Flecken an ihrem Arm. Ich ging in die Küche und nahm ein großes Messer. Damit stand ich anschließend hinter Walter. Ich benutzte es nicht, um ihn zu verletzen. Er bemerkte es nicht.

Eine andere Erinnerung fällt mir besonders schwer. Ich lag in meinem kleinen Kinderzimmer auf dem Bett. Meine Mutter und Walter kamen herein. Meine Mutter legte sich ungefragt auf mich und rieb sich an mir. Walter sah zu. Ich war verwirrt und angeekelt. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Viele Jahre später, kurz vor ihrer großen Operation, bat meine Mutter mich um Verzeihung. Sie sprach nicht aus, wofür. Für mich verbanden sich diese Erinnerungen mit ihrer Frage. Offen mit ihr darüber reden konnte ich auch dann nicht.

Andreas war als Kind wie ein Bruder für mich. Wir kannten uns seit der Grundschule. Als es um die weiterführende Schule ging, wollten wir unbedingt auf dieselbe kommen. Das schafften wir auch. Wir gingen zusammen aufs Gymnasium und glaubten, dass unsere Freundschaft ewig so weitergehen würde.

In der Zeit mit Walter schlief ich sehr oft bei Andreas und seiner Mutter Mariola. Sehr oft. Hauptsache weg von Walter. Meine Mutter unterstützte es, dass ich so viel Zeit bei den beiden verbrachte. Andreas war mein bester und längster Freund.

2 Ein paar Tropfen

Ich war ungefähr achtzehn, als ich zum ersten Mal Tramal bekam. Bis dahin war ich körperlich fit gewesen. Dann entwickelten sich innerhalb weniger Wochen starke Schmerzen im unteren Rücken. Ich spürte einen Druck in der Lendenwirbelsäule.

Ich ging zu einem Orthopäden in Zollstock. Zunächst bekam ich Ibuprofen. Drei Wochen lang nahm ich es, ohne dass es half. Danach bekam ich Tramal-Tropfen.

Zunächst hielt ich mich an die vorgegebene Dosierung.

Schon bei den ersten Einnahmen merkte ich diesen Flush: Euphorie und körperliches Wohlbefinden. Die Schmerzen in der Lendenwirbelsäule waren weg. Ich fühlte mich stärker, leistungsfähiger und selbstbewusster. Alles schien positiv. Das Selbstvertrauen, das mir so oft fehlte, war plötzlich da.

Meine Ängste wurden leiser. Der Streit mit Walter berührte mich weniger; ich konnte mich mehr mit meinem eigenen Alltag beschäftigen. Zuerst wollte ich, dass der Schmerz wegging. Später wollte ich das Gefühl wiederhaben.

Nach einigen Monaten nahm ich mehr. Weitere Medikamente und Drogen folgten Schritt für Schritt.

Einmal holte ich wieder eine Flasche in der Apotheke ab und ging durch den Park nach Hause. Die Sonne schien, ich fühlte mich leicht. Unterwegs fragte ich mich zum ersten Mal bewusst, ob die Regelmäßigkeit und die steigende Menge bedenklich waren. So hatte es nicht angefangen. Wie würde es mir ohne die Tropfen gehen?

Ich hatte bemerkt, dass etwas verkehrt lief. Aber ich änderte nichts. Die nächste Einnahme legte sich auch über diese Sorge. Ohne Tramal hätte ich mich wieder mit dem Leben auseinandersetzen müssen, vor dem es mich scheinbar schützte. Das gute Gefühl war näher als die Gefahr.

In der Schule bekam Tramal einen festen Platz in meinem Alltag. Ich ging auf das Montessori-Gymnasium in Köln. Die Teestube war schon etwa eine halbe Stunde vor der ersten Unterrichtsstunde geöffnet, nach meiner Erinnerung gegen halb acht. Dort nahm ich sehr oft meine erste Ladung Tropfen in einem Getränk zu mir. Ich achtete darauf, dass niemand es sah.

Mir war klar, dass Tramal den Tag bestimmen würde. Ich würde mit einer Leichtigkeit durch den Unterricht gehen, die ich ohne die Tropfen nicht hatte. Damals dachte ich noch nicht, dass es ohne überhaupt nicht mehr ging. Es ging vielleicht. Ich wollte es nur nicht. Das war bereits eine Entscheidung, die nicht mehr ganz frei war.

Spaß haben. Alles locker nehmen. Die Schule nicht mehr ernst nehmen müssen. So fühlte sich das an. Vor allem musste ich nicht dauernd der unsichere Junge sein, der sich mit allem schwerer tat, als er zeigen wollte. Die Tropfen gaben mir eine andere Haltung zu dem Tag, bevor er überhaupt angefangen hatte.

Ungefähr in der zehnten Klasse begannen die Gespräche darüber, welche Leistungskurse die anderen später nehmen wollten. Ich hatte selbst Vorstellungen davon, was mich interessieren würde. Es war nicht so, dass ich keinen Plan für meine Zukunft hatte. Aber meine Noten gingen bereits in den Keller, während die anderen ihre nächsten Schritte besprachen.

Nach und nach wurde mir und meinen Schulfreunden klar, dass ich es nicht bis zum Abitur schaffen würde. Ich gehörte noch zur Klasse, aber nicht mehr zu dieser gemeinsamen Aussicht. Am Ende würde ich froh sein können, wenn ich wenigstens die mittlere Reife erreichte. Diese Erkenntnis traf mich härter, als mein Verhalten vermuten ließ.

Denn im Unterricht ging mir vieles am Arsch vorbei. Mit anderen, die mitmachten, störte ich. Hausaufgaben machte ich nicht mehr. In den Pausen oder wenn Unterricht ausfiel, ging ich in die Kneipe auf der gegenüberliegenden Straßenseite, bei Jussie. Unsere Schulkneipe. Ich machte mir eine gute Zeit und verhielt mich, als wäre das genau das Leben, das ich haben wollte.

Ich erinnere mich nicht daran, dass jemand unter den Mitschülern mich ernsthaft gefragt hätte, weshalb meine Leistungen so nachließen. Dass sie schlechter wurden, war sichtbar. Weshalb ich den Anschluss verlor, besprachen wir nicht. Mir selbst fiel es ohnehin leichter, den nächsten Unterricht nicht ernst zu nehmen, als mir einzugestehen, was gerade verloren ging.

Ich schämte mich. Gegen Ende der zehnten Klasse fühlte ich mich von vielen anderen schon isoliert. Sie konnten weiterdenken, ich nicht mehr auf dieselbe Weise. Tramal ließ mich diesen Preis bezahlen und gab mir zugleich das Gefühl, alles nicht so schwer nehmen zu müssen. Beides passierte nebeneinander. Ich war nicht einfach sorglos. Ich machte mich sorglos.

Ein Lehrer bemerkte meine Veränderung. Herr Berger unterrichtete mich unter anderem in Pädagogik. Er war fürsorglich und bot Schülern Gespräche in der Schulbücherei an. Auch mich fragte er, ob ich mich einmal mit ihm unterhalten wollte.

Ich ging nicht hin. Unter uns Schülern machte man sich über seine Hilfsbereitschaft eher lustig. Ich wollte nicht zu denen gehören, die ein solches Gespräch brauchten. Ich wollte cool sein, rauchen, mit den anderen meinen Spaß haben und meine Probleme für mich behalten. Er hatte mir eine Möglichkeit angeboten. Ich ließ sie ungenutzt.

Ich blieb zweimal sitzen und verließ die Schule nach der zehnten Klasse mit der mittleren Reife und den allerschlechtesten Noten. Das Abitur hatte ich wegen meiner Sucht nicht geschafft.

Tramal war mein bester Freund. Damals fühlte es sich hilfreich an.

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